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OLPC und der digitale Graben

Kann OLPC dazu beitragen, den digitalen Graben zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern zu verringern? Oder müssen zuerst dringlichere Probleme wie z.B. die Wasser- und Lebensmittelversorgung, Konflikte in Krisengebieten etc. gelöst werden? Wie kann der „Digital Divide“ überbrückt werden, wenn in manchen Ländern Grundvoraussetzungen dazu fehlen? Ich denke dabei an die Gleichstellung von Mann und Frau, an Menschenhandel und Sklaverei, an Zwangsehen und Folter, an Missachtung von Menschenrechten etc. All diese Stichworte gehen mir durch den Kopf und ich frage mich, ob nicht zuerst diese elementaren Vorraussetzungen gegeben sein müssen, bevor der digitale Graben verringert werden kann. Wie kann ein Entwicklungsland zu der Informationsgesellschaft gehören, wenn es in der Entwicklung noch nicht auf der Stufe der Industriegesellschaft steht? Wenn es noch keine Demokratie gibt? Natürlich kann man dieses Problem auch von einer ganz anderen Seite her betrachten. OLPC hilft den Kinder und somit auch den Erwachsenen ihr Bildungsniveau erheblich zu verbessern. Es findet eine Aufklärung statt, wie einst die Aufklärung, die zur französischen Revolution geführt hat und Europa signifikant verändert hat. XO Laptops helfen das selbständige Denken zu fördern und sie eröffnen neue Möglichkeiten. Bildung macht stark. Stark genug, um sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen und vielleicht sogar einen Wandel herbeizuführen.


Nun habe ich weitere Informationen zum Digital Divide gesucht und bin auf das Buch von Natalie Zwiefka „Digitale Bildungskluft“ gestossen. Dabei habe ich eine interessante Definition gefunden, welche im nächsten Abschnitt erläutert wird.

Der „Digital Divide“

Weltweit bestehen zum Teil riesige Differenzen beim Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zwischen den Ländern. In Island beträgt die Internet-Nutzung (2006) pro 1000 Einwohner 741,24 in Liberia 0,29 pro 1000 Einwohner.

Hier eine Definition von Pippa Norris, die nicht nur den Zugangsaspekt, sondern den „Digital Divide“ als mehrdimensionales Phänomen beschreibt: „as a multidimensional phenomenon encompassing three distinct aspects. The global divide refers to the divergence of Internet access between industrialized and developing societies. The social divide concerns the gap between information rich and poor in each nation. And lastly, within the online community, the democratic divide signifies the difference between those who do, and do not, use the panoply of digital resources to engage, mobilize and participate in public life.” (Norris 2001)

Der Digitale Graben wird in drei Bereiche geteilt. In den globalen Graben, welcher den Unterschied zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern verdeutlicht. Danach folgt der soziale Graben, der sich in jedem einzelnen Land befindet und sich mit information rich und information poor auseinandersetzt. Der dritte Aspekt ist der demokratische Graben.

Quelle: Zwiefka, Natalie (2007): Digitale Bildungskluft. Informelle Bildung und soziale Ungleichheit im Internet. Verlag Reinhard Fischer: München. S. 72-74

Der „Digital Divide“ ist ein komplexes Thema, welches fleissig erforscht wird. Doch konkrete Lösungsvorschläge zur Verringerung des digitalen Grabens, sind rar. Meiner Meinung nach sind Projekte wie OLPC ein Schritt in die richtige Richtung. Die Entwicklungsländer sind auf unsere Hilfe angewiesen und können somit auch von unserer Erfahrung im IT Bereich profitieren. Doch ob sich OLPC bewährt, wird sich erst mit der Zeit herausstellen. Die Frage → OLPC: Wirksames Mittel gegen den Digital Divide oder nur Entwicklungshilfe-Feigenblatt der 1.Welt? kann nicht abschliessend beantwortet werden.

Ich danke Sarah herzliche für die vielen Anregungen und Vorschläge und natürlich die konstruktiven Rückmeldungen. Danke für deine Hilfe!

OLPC – Betreuung des Projektes

Natürlich ist es wichtig, den Ländern die XO Laptops zur Verfügung zu stellen. Doch wie sieht es aus mit der Begleitung und Nachbetreuung der XO Laptops und somit auch der Länder?

Auch OLPC ist der Meinung, dass die Begleitung und Nachbetreuung ein wichtiger Bestandteil vom 100-Dollar-Laptop Projekt sind. Deswegen werden vor der Auslieferung von XO Laptops Lernteams gebildet, es wird Unterstützung vor Ort angeboten und die Anbindung ans Internet soll durch 100-Dollar-Server ermöglicht werden.

(Quelle: Wikipedia. 100-Dollar-Laptop [28.03.2008])

Was sind 100-Dollar-Server?

„Er ist als Schnittstelle für den Zugang der 100-Dollar-Laptops in das Internet geplant, soll aber gleichzeitig große Datenmengen vor Ort in den Entwicklungsländern verfügbar machen. Die angekündigte Speicherkapazität der Server soll bei 330 Gigabyte liegen und soll damit als digitale Bibliothek von E-Books und Multimedia-Daten dienen.“

(Quelle: Wikipedia. 100-Dollar-Server [28.03.2008])

Informationen über den Stand der Dinge, beispielsweise über Nepal, findet man unter http://wiki.laptop.org/go/Bishwamitra_Journal. Dieses Pilot-Projekt beginnt am 14. April 2008. Man findet Informationen über die Personen, die mitgearbeitet haben, wo sich die Schule befindet, welche Punkte ausschlaggebend waren, dass speziell diese Schule ausgewählt wurde, wie sieht es aus mit Elektrizität usw.

Unter Google Map kann man sehen, wo sich OLPC schon überall auf der Welt befindet und wie weit das Projekt schon fortgeschritten ist.

Somit liefert OLPC nicht „nur“ die Laptops aus, sondern versucht auch die Länder optimal zu betreuen.

OLPC – welche Länder sind involviert?

Jahr

Bestätigte Zahlen (ungefähr)

Bestätigte Daten

Käufer

2007

100‘000

Oktober 2007

Uruguay

2007

15‘000

14. November 2007

USA, City of Birmingham

2007

270‘000

1. Dezember 2007

Peru

2007

50‘000

1. Dezember 2007

Mexiko, Mexikanischer Milliardär

2007

167‘000 (half to be distributed to developing world

5. Januar 2008

„Give One Get One“ Programm

Total

602‘000

Quelle: Wikipedia. http://en.wikipedia.org/wiki/Olpc [28.03.2008]

Bis jetzt haben nur Industrie- und Schwellenländer XO Laptops eingekauft. Durch das Give-One-Get-One-Programm konnten XO Laptops an Entwicklungsländer wie Ruanda, Haiti, Afghanistan, Kambodscha und Mongolei verteilt werden. Doch ein grosses Hindernis stellen die Kosten dar. Regierungen von Entwicklungsländern sind nicht in der Lage, soviel Geld für Laptops auszugeben. Negroponte sagte in einem Interview (The Boston Globe, 24.02.2008, “Vision evolves, but $100 Laptop is still the goal”), dass OLPC dieses Problem erkannt hat und nach weiteren Alternativen sucht.

Alternativen sind beispielsweise ein globales Give-One-Get-One Programm, d.h. das Programm beschränkt sich nicht nur auf Nordamerika sondern die ganze Welt insbesondere Europa kann mitmachen. Die zweite Alternative ist das so genannte „Twinning“. Florenz (Italien) ist die erste Stadt, welche 10′000 XO Laptops gekauft hat und sie an drei afrikanische Städte weitergibt. Weitere – vornehmlich europäische Städte – sollen folgen. Die dritte weitaus komplexere Alternative ist, dass XO Laptops von einem Dritten kommerziell vertrieben werden. Dabei fliessen vom Verkaufserlös 50 – 80 Dollar zurück an OLPC. (The Boston Globe, 24.02.2008, “Vision evolves, but $100 Laptop is still the goal”).

Sinkt der Preis für XO Laptops auf 100 Dollar oder sogar weniger, sind die Regierungen der Entwicklungsländer vielleicht in der Lage selber die Kosten zu tragen. Im Moment sind die Kosten meiner Meinung nach aber noch zu hoch.

OLPC – sinnvolle Entwicklungshilfe?

Während meines Vortrages führten wir eine interessante Diskussion, ob OLPC als sinnvolle Entwicklungshilfe angesehen werden kann oder ob es nur ein Entwicklungshilfe-Feigenblatt der 1. Welt ist.

Unbestreitbar ist, dass die Bildung in den ärmeren Ländern dieser Welt ein ganz wichtiger Faktor ist, ob OLPC dabei der richtige Weg ist, den ärmeren Ländern den Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen…da war sich die Klasse nicht einig. Manche vertraten die Meinung, dass die Entwicklungsländer mit anderen Problemen zu kämpfen haben wie z.B. mit Hungersnot, Krieg etc. und dass diese Probleme zuerst gelöst werden sollten, bevor Laptops an diese Länder verteilt werden. Andere erachten es als wichtig, dass der Zugang zur Bildung Vorrang hat und somit OLPC eine gute Möglichkeit darstellt, die Entwicklungs- und Schwellenländern näher an die Informationsgesellschaft zu bringen. Auch hier wurde gesagt, dass die Einmischung der westlichen Welt in die Politik der ärmeren Länder nicht immer positiv ist. Vielleicht sollten wir uns dem Tempo der ärmeren Länder anpassen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

Somit kann die Frage nicht abschliessend beantwortet werden, ob OLPC sinnvoll ist oder nicht. Die Zukunft wird zeigen, ob sich OLPC durchsetzen kann und den digitalen Graben ein wenig verkleinern kann.

Konkurrenz

Wie schon im letzten Blogeintrag angekündigt, setzte ich mich mit den Problemen auseinander, mit denen OLPC zu kämpfen hat.

Die Konkurrenz für den OLPC Laptop ist nicht gerade klein. Der taiwanesische Computerhersteller Asus bringt den sogenannten Eee PC auf den Markt. Er ist äusserst klein, verfügt über keine herkömmliche Festplatte, kein CD-Laufwerk und Windows ist dabei auch nicht vertreten. Und der wichtigste Punkt am Eee PC, er kostet nur 300 Euro. Ein sehr ähnliches Konzept wie bei OLPC, wobei der Europachef von Asus natürlich behauptet, dass sie „[...] früher am Markt waren“. Dieser Hype um den Eee PC hat weitere Computerhersteller auf den Plan gerufen, die Firme Everex will einen Minilaptop für 400 Dollar, das US-Unternehmen Zonbu will einen Laptop für 279 Dollar auf den Markt bringen.

(gefunden in Frankfurter Rundschau, 24. Januar 2008, „Billig-PC ist der Renner: Mini-Laptop für 300 Euro schafft ein neues Marktsegment / Konkurrenten ziehen nach“)

Ein halbes Jahr haben OLPC und Intel zusammengearbeitet, anfangs dieses Jahres wurde das Ende der Zusammenarbeit bekannt. OLPC wirft Intel vor, das Projekt mit der Eigenproduktion des Billig-Laptops Classmate boykottiert zu haben.

 (gefunden in Die Presse, 9. Januar 2008, „Intel: Ausstieg aus Billig-Laptop-Projekt“)

Auch Windows Chef Bill Gates unterstützt das Projekt nicht, sondern ist der Meinung, dass die Verbreitung des OLPC unbedeutend sei und dass sich OLPC nicht gut entwickelt habe. Für Bill Gates hat die Verbreitung des Internets höchste Priorität. Gates will das Internet via Mobiltelefone in die Entwicklungsländer bringen. Die XO Laptops sind natürlich mit WLAN ausgestattet und können somit theoretisch auf das Internet zugreifen, aber dazu braucht es natürlich ein Internetzugang. Ich denke, ein nächster Schritt in den Entwicklungsländern ist, den Menschen die Nutzung des Internets mit Hilfe von Servern etc. zu ermöglichen.

(gefunden unter http://www.silicon.de/cio/strategie/0,39038989,39161420,00/bill+gates+verbreitung+des+olpc+ist+unbedeutend.htm [02.03.2008])

Somit schlägt OLPC nicht nur von der Konkurrenz ein herber Wind entgegen. Auch der politische Widerstand, wie beispielsweise in Nigeria, stellt ein Problem dar. Der Bildungsminister von Nigeria sieht keinen Sinn darin, den Kindern Laptops zur Verfügung zu stellen, wenn sonstige wichtige Infrastrukturen an den Schulen fehlen. Der Auftrag von 100′000 Laptops wurde somit gestrichen.

Give One Get One Initiative

Die Give One Get One Initiative startete letztes Jahr mit viel Erfolg in Amerika. Für 400 Dollar konnte man sich 2 XO Laptops kaufen. Davon ging ein Laptop an ein Kind in einem Entwicklungsland und einer konnte der Käufer behalten. Mit dieser Initiative wurden zwei Ziele erreicht: 1. Menschen wurden auf das Projekt aufmerksam gemacht und 2. OLPC machte Einnahmen.

Leider lief nicht alles so reibungslos über die Bühne wie sich das Käufer und Verkäufer sicher gewünscht hätten. Unter dem Blog (danke Sarah für den Hinweis) http://www.olpcnews.com/sales_talk/g1g1/olpc_shipping_problem_xo_buy.html äussern sich wütende Käufer über die Verspätungen bei den Lieferungen. Bis Ende Januar sind noch keine Laptops bei den Käufern eingetroffen.

In einem Interview (The Boston Globe, 24.02.2008, “Vision evolves, but $100 Laptop is still the goal”) gibt Nichoals Negroponte eine Erklärung zu den verspäteten Auslieferungen der XO Laptops ab:

Q, Lots of American buyers paid $400 to the Give One, Get One program. In exchange, OLPC was to donate one laptop to a poor child, and send the other to the American buyer. Months later, many Americans still haven’t gotten their machines. What went wrong?

A. „The whole billing, the whole processing of orders, it’s not something we do.

There were about 17,000 orders that we misplaced – 17,000 orders vanished and reappeared in January.

Q, How close are you to getting it done?

A. I think we’re within days of completing all the orders. It’s not six months from now.

Nicholas Negroponte verkündete im gleichen Interview, dass OLPC eine globale Give One Get One Initiative plant.

Gemäss der Wiki Seite von OLPC (http://wiki.laptop.org/go/G1G1_Fulfillment_Information) werden die Laptops Mitte oder Ende März ausgeliefert!

OLPC hat nicht nur mit den Problemen bei der Give One Get One Initiative zu kämpfen. Politischer und gesellschaftlicher Widerstand, Konkurrenz etc. machen OLPC zu schaffen. Dazu mehr im nächsten Blog.

Was ist OLPC?

OLPC (One Laptop per Child): Wirksames Mittel gegen den Digital Divide oder nur Entwicklungshilfe-Feigenblatt der 1. Welt? Im Jahr 2005 wurde dieses Projekt am WEF in Davos vorgestellt, dort wurde ich das erste Mal darauf aufmerksam und aus diesem Grund habe ich dieses Thema ausgewählt.

Was ist OLPC? Wer steckt dahinter?

OLPC ist ein Projekt, welches zum Ziel hat, die Kinder in 3. Welt – und Schwellenländern mit Laptops zu versorgen und ihnen einen Zugang zu mehr Bildung zu ermöglichen. Initiator von OLPC ist Nicholas Negroponte, MIT-Professor.

Bei meiner ersten Recherche habe ich viele Informationen zum Thema gefunden. Besonders auffällig fand ich, dass Verhalten von Microsoft und Intel. Der Grund für die ablehnende Haltung dieser zwei Firmen ist vielleicht, dass der Laptop nicht mit Microsoft-Software und Intel-Prozessoren ausgestattet ist, sondern auf einem Linux-Betriebssystem basiert…. NZZ Online

OLPC Laptop

 

Natürlich wird im Web auch fleissig über dieses Thema gebloggt, von Kritikern und Befürwortern. Amüsant dabei ist, dass sich die Blogger gegenseitig angreifen, anstatt über das Thema zu schreiben. Die Kommentare sind nämlich länger als der eigentliche Blog-Eintrag! Unter Blogrolls findest du die Links.

Diese Woche werde ich mich noch verstärkt auf die Recherche konzentrieren und versuchen möglichst viele Informationen zum Thema zu sammeln. Vor allem interessiert mich, welche Länder XO Laptops bestellt haben, wie die Initiative “Give one – Get one” verläuft oder verlaufen ist und die verschiedenen Meinungen zum Thema (Kritiker und Befürworter). Die Konkurrenz zum XO Laptop ist natürlich ebenfalls ein interessanter Aspekt. Gleichzeitig werde ich die Agenda für meine Präsentation erstellen und den Ablauf meiner Lektion planen.